Kinder- und Jugendärzte gegen Gewalt

Prävention ab Nabelschnur – Eine Streitschrift


Kinder- und Jugendärzte gegen Gewalt

 

 

Es gibt noch viel zu tun.

 Die „Streitschrift“ war eine Ideensammlung, hier eine kleine Einstiegshilfe im Juni 2014. Durch die Lektüre der Zitate kennen Sie binnen 30 min die wichtigsten Gedanken dieser Schrift, die für ein neues Berufsbild des Kinder- und Jugendarztes wirbt.

 

Zitate:

„Wir schauen zu, wie Kinder aufwachsen und Erwachsene werden. Aber sehen wir auch alles, was da vor unseren Augen passiert?“ (S.3)

„Wo war denn da der Kinderarzt? (…) Wie entstehen solche Biografien? Da wäre doch sicher schon früher was zu sehen gewesen.“ (S.3)

„Das Gesamtproblem, auf das hier hingewiesen werden soll, ist unsere Rolle bei der Prävention psychischer Fehlentwicklungen.“ (S.4)

„Wo war in diesen und in vielen ähnlichen Fällen der Kinderarzt? Wo war er in den Köpfen der Eltern, wo in den Köpfen der beteiligten Fachleute? Wo galt er als Spezialist für ganzheitliche Betrachtung der Person, wo galt er als selbstverständlich involviert – in der Rolle des für alles ansprechbaren Hausarztes?“ (S.4)

Der präventive Ansatz hat nicht‚ bereits im Vorschulalter zu beginnen, sondern ab Nabelschnur, und er muss sich auf alle Kinder erstrecken.“ (S.5)

„Wir halten Sprechstunden ab. Sind auch genügend Hörstunden dabei?“ (S.5)

„Ich denke an kundiger wahrnehmen und zielgerechter reagieren.“ (S.6)

Wir brauchen das Basiswissen der anderen Professionen, (…) – und die ständige Interaktion mit den Nachbardisziplinen.“ (S.6)

„Kinderärzte müssen professionelle Kompetenz erwerben, um Eltern Normvarianten normaler Entwicklung zu erläutern. Ferner, um Risikofaktoren zu entdecken, leichte und milde Verhaltens-probleme selbst zu managen, schwere einer kompetenten Behandlung zuzuführen.“ (S.6)

„(…) was bei allen Kindern zwischen Geburt und Volljährigkeit untersucht und beachtet werden soll: z.B. die Eltern-Kind-Beziehung, die Suche nach Zeichen von Vernachlässigung und Miss-brauch.“ (S.6)

„Noch wichtiger wird in Zukunft die Frage: ‚Was können wir dazu beisteuern, damit es nicht passiert?’ Es ist sehr viel mehr, als wir heute denken.“ (S.8)

„So sind denn auch aggressives und dissoziales Verhalten im Vorschulalter die stabilsten Prädikatoren für eine spätere Fehlentwicklung zur Gewalt (…).“ (S.8)

„(…) wir können Armut als Teil der Lebensbedingungen der Kinder wahrnehmen.“ (S.8)

„Das Starkmachen beginnt früh – ab Geburt. Beim Starkmachen bis zum Erwachsenenalter zu helfen ist eine der Hauptanforderungen der Zukunft an Kinderärzte.“ (S.9)

Psychosoziales Screening heißt, bei allen Kindern, die uns vorgestellt werden, auf psychosoziale Risikofaktoren zu achten. Psychiatrisches Screening meint dementsprechend, alle Kinder auf frühe Anzeichen für eine psychiatrische Fehlentwicklung hin anzusehen.“ (S.10)

„Es gibt also nicht eine Kinderarztpraxis, in der die Notwendigkeit des hier geforderten Screenings nicht besteht. „ (S.10)

Entwicklungsneurologie ist als pädiatrischer Breitensport recht gut etabliert, die Entwicklungs-psychologie muss rasch dazu werden.“ (S.10)

„Nach der Geburt eines Kindes müssen wir so rasch wie möglich das Angebot einer fruchtbaren Beziehung, die auch mal belastbar ist, machen.“ (S.10)

„Bieten wir glaubwürdig ein ganzheitliche Beziehungs-Medizin an, werden wir in der Regel auch Krisen überstehen.“ (S.10)

Stressfaktoren für die Eltern sind immer Risikofaktoren für das Kind.“ (S.10)

„(…) wir müssen eine „vorausschauende Anleitung“ geben (…)“ (S.10)

„Es muss für uns zur guten Gewohnheit werden, immer auf die Eltern-Kind-Interaktion zu achten.“ (S.11)

„Die Kompetenzentwicklung des Säuglings wird unterstützt durch die Eltern (…), die Kompetenzentwicklung der Eltern wird unterstützt durch einen Kinderarzt (…).“ (S.11)

„Wir brauchen ein offensives Beratungsangebot durch. Es muss deutlich machen, dass wir nicht nur von Krankheit etwas verstehen, sondern auch von Gesundheit. Der Draht darf nicht abreißen, wenn aus Kindern Jugendliche werden.“ (S.12)

„Akne oder Nicht-Akne, das ist hier eben nicht die zentrale Frage, sondern die Entwicklung einer neuen und eigenen Identität.“ (S.12)

„“Psycho ist nicht mein Ding.“ Diese häufig anzutreffende Einstellung ist ein selbstgewähltes Ghetto.“ (S.13)

„Jede Intervention, die später als nötig erfolgt, wird aufwendiger und teurer.“ (S.14)

„Verschlafen wir Kinderärzte unsere eigene Zukunft?“ (S. 14)

„Wir brauchen eine ganzheitliche Betrachtung der Person in all ihren Bezügen. Vor allem Prävention macht Kinderärzte unentbehrlich.“ (S.14)

„Das Gespräch als Prozess, als Gelegenheit für Beobachtungen, als Erlebnis intensiver Zuwendung und neuen Verstehens und Sich-Selbst-Verstehens der Angesprochenen. Letzteres gilt insbesondere für Gespräche mit Jugendlichen.“ (S.14)

„Gelingt es uns, zu signalisieren: ‚Jetzt bin ich für Sie da, was haben Sie Schönes erlebt mit dem Kind, seit wir uns das letzte Mal sahen, was macht Ihnen Kummer?’ – dann ist schon viel erreicht.“ (S.14)

„Unser Vorteil ist die Kontinuität der Gespräche. Aufgrund unserer Beziehungsgeschichte können wir im April eine Erörterung da fortsetzen, wo wir im Februar aufgehört haben. Wenn wir denn ein Beziehungsgeschichte haben“ (S.15)

„Hören und Sehen, was verbal oder nonverbal geäußert wird und systematische Interaktionsbeobachtung, das sind wichtigste Quellen der Information.“ (S. 15)

„Wenn wir das hier angesprochene psychosoziale und psychiatrische Screening etablieren, kommt mehr Lebensfreude bei den Kollegen auf: Sie müssen sich nicht mehr so oft mit aussichtslosen Situationen abplagen.“ (S. 15)

„Das hier skizzierte Screening scheint auf den ersten Blick sehr zeitraubend zu sein, spart jedoch durch Kompetenzzuwachs viel Zeit, die wir sonst mit laienhaftem Rumrätseln und stümperhafter Gesprächsführung vergeuden.“ (S.16)

Die Schöpfer von Gebührenordnungen brauchen nicht nur Kritiker. Sie brauchen auch Berater, die wissen, wodurch ein Volk krank werden kann.“ (S.18)

„Eine systematische Prävention von Gewalt gibt es in Deutschland bisher nicht.“ (S.19)

„Wir brauchen für die Pädiatrie der Zukunft einen bio-psycho-sozialen Denkansatz.“ (S.19)


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SCHMETZ Kinder- und Jugendärzte gegen Gewalt Teil1

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